Herd-Anschluss: Was darf er kosten — und ist er wirklich Vermieter-Sache?
Praxis-Beispiel aus einer Vermieter-Rechnung: Wer schließt den Elektroherd an, wer zahlt, und welche Aufpreise sind branchenüblich?
Du hast einen neuen Herd oder ein Induktionskochfeld geliefert bekommen. Auf der Rechnung steht das Gerät, vielleicht ein Splitter, eine Werksgarantie. Aber: Wer hat den Herd angeschlossen? Und ist der Preis für die ganze Sache fair?
Strom-Festanschluss: Pflicht für Elektrofachkraft
Ein Elektroherd oder -kochfeld läuft in Deutschland meist über einen Drehstrom-Festanschluss (400 V). Nach §13 Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) und den Technischen Anschlussbedingungen (TAB) der Netzbetreiber darf nur eine eingetragene Elektrofachkraft Festanschluss- Geräte ans Netz hängen. Mieter und Vermieter dürfen das nicht selbst — auch wenn es technisch leicht aussieht.
Was kostet ein Anschluss real?
Branchenüblich sind 2024–2025 (netto):
- Herd / Kochfeld: 50–150 € für reinen Anschluss (15–30 Min Arbeitszeit + Anfahrt-Anteil).
- Backofen mit Festanschluss: 50–150 € analog.
- Spülmaschine (Wasser + Strom): 100–300 €.
- Heizung / Therme: 200–800 € für Komplett- Anschluss inklusive Inbetriebnahme.
Stundensätze für Elektriker liegen 2024–2025 in Niedersachsen bei 70–95 €/h netto, ähnlich in vergleichbaren Regionen.
Wo der Anschluss-Preis sich versteckt
Möbelhäuser und Küchenstudios kalkulieren den Anschluss meist auf eine von zwei Arten:
- Separate Position: „Anschluss-Service 39 €“ oder „Montage Pauschale 89 €“ steht eindeutig auf der Rechnung. So machen es z.B. Mediamarkt, Otto, Saturn.
- Eingerechnet im Geräte-Preis: bei Komplett- Lieferungen vom Möbelstudio ist der Anschluss oft im Listenpreis des Geräts mit drin — der Rechnungspreis liegt dann typisch 50–150 € über dem Online-Vergleichspreis bei Idealo oder Geizhals.
Praxis-Beispiel: Herd-Splitter
Bei alten Stromanschlüssen passt der neue Herd technisch nicht ohne einen Y-Splitter (typisch Naber). Ein Material-Listenpreis liegt bei 25–45 €. Im Rahmen einer Lieferung+Anschluss-Sammelrechnung kommt für den anteiligen Einbau des Splitters meist 15–30 € drauf. Realistische Endpreis-Range mit Einbau: 40–75 €.
Wenn auf deiner Rechnung 80–90 € für den Splitter stehen, ist das nur dann fair, wenn der Anschluss tatsächlich vom Lieferanten durchgeführt wurde. Hat dich nur das Gerät erreicht und du hast einen externen Elektriker bezahlt — beanstande die Splitter-Position.
Was zahlt der Vermieter, was der Mieter?
Anschaffung und Anschluss eines Hauptgeräts wie Herd sind Vermieter-Sache, sofern das Gerät im Mietvertrag als Inventar mitvermietet ist. Eine Umlage auf den Mieter über Nebenkosten ist nicht möglich — Reparaturen sind nach BetrKV nicht umlagefähig.
Hat der Mieter den Tausch ausdrücklich gewünscht (z.B. Wunsch nach Induktionskochfeld), kannst du eine Modernisierungs-Mieterhöhung nach §559 BGB prüfen: bis zu 8 % der Modernisierungskosten p.a. dürfen auf die Kaltmiete aufgeschlagen werden — nicht auf Nebenkosten.
Checkliste vor dem Bezahlen
- Gerätepreis gegen Idealo / Geizhals abgleichen.
- Anschluss explizit auf der Rechnung gesucht — separate Position oder eingerechnet?
- Bei eingerechnetem Anschluss: ist der Aufpreis branchenüblich?
- Splitter / Adapter: war er nötig? Bei Standard-Anschluss ist er beanstandungsfähig.
- Mieterwunsch dokumentiert? Ggf. Modernisierungs-Mieterhöhung prüfen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine strukturierte Einschätzung, keine Rechtsberatung. Stundensätze und Pauschalen sind Branchen-Richtwerte Stand 2024–2025 — regional kann es Abweichungen geben.
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